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After
Effect
Was
mit Tieren
Berlin. Das ist wichtig. Das spielt in
Berlin, das kann nur hier spielen, nur hier so spielen, im neuen Berlin. Behauptet
implizit Stephan Geenes Film "After Effect". Rena Yazka, eine Fotografin
kommt an, in Berlin, sie ist nicht irgendwer (gespielt wird sie auch nicht von
irgendwem, sondern von Sabine Timoteo), sie war gerade in Barcelona, hat dort
Politiker fotografiert und damit, warum auch immer, für Aufsehen gesorgt.
In Berlin trifft sie auf eine Agentur: Carl Celler Culture. Die Agentur macht
Werbung, die Kunst sein will. Oder Kunst, die Werbung ist. Die Agentur macht
was mit Tieren. In der Agentur stehen Menschen herum, nicht mehr ganz jung,
erst recht noch nicht alt, die Sätze aufsagen, die so klingen, als hätte
die Agentur eine Agenda. Eine Agenda-Agentur, in der niemand agiert. Und auch
eine Agenda gibt es, von den leeren Sätzen abgesehen, die klingen, als
seien sie voller Bedeutung, in Wahrheit nicht.
(Viele der Leute, die vor der Kamera,
hinter der Kamera mitmachen und mitspielen, kann man zuordnen: Hippen linken
Berliner Kollektiven und Verbünden wie der Theorie-Kunst-Zeitschrift Texte
zur Kunst, dem Theorie-Buchladen mit allerlei anderen Ambitionen b_books. Das
macht den Film nicht zum Selbstporträt, gewiss nicht. Aber das Gegenteil
eines Selbstporträts oder eine Selbstverarsche ist er auch nicht. Man weiß
nicht genau.)
Die Fotografin aus Barcelona platzt da
hinein und einer, der in der Agentur ohne eigene Agenda herumhängt, verliebt
sich womöglich in sie. Das ist Kai (Aljoscha Weskott), der meistens so
aussieht, als habe er Kummer. Wahrscheinlich haben sie Sex, Rena und Kai, später
machen sie einen Film mit Kai und mit Tieren. Gefilmt ist das so, dass man nicht
genau weiß, mit dem Sex. Überhaupt ist alles sehr überzeugend
immer so gefilmt, dass man nicht genau weiß. Nämlich: Ist das eine
Satire aufs neue Kreativen-Berlin, aus dem heraus es humorlos und agendasatt
sinnlos tönt. Oder ist es das neue Kreativen-Berlin selbst, dass sich hier vor einer Kamera in digitalen Bildern begegnet,
die nichts so genau wissen. Es gibt Großaufnahmen des Gesichts von Sabine
Timoteo. Es gibt andere Aufnahmen.
Man spricht über Aufträge. Über
Tiere. Es gibt Wortspiele an der Wand: Von Any Male zu Animal. Auf einer Tafel
steht etwas von einer "Red Animal Fraktion". Theorie steht im Hintergrund,
aber sie ist immer hinter der nächsten Ecke, man weiß nicht genau,
die Theorie, die hinter allem vielleicht steht, will nicht recht mit der Sprache
heraus. Was mit der Sprache heraus will, ist die Null-Agenda, die sich politisch
gibt. Markenkritik, No Logo, eigenes Logo, Logo-Appropriation. Zersägte
Tiere vor dem Universal-Gebäude zwischen Kreuzberg und Friedrichshain in
der Spree. Auch mal Laura Tonke mit Katze.
Das mit der Liebe zwischen der Star-Fotografin
aus Barcelona und dem Agentur-Herumhänger Kai, das geht aus oder auch nicht.
Irgendwie geht es aus. Irgendwie hat Kai dann aber auch Sex - gefilmt ist das
so, dass man nicht genau weiß, auch immer nicht, ob das mit Absicht so
gefilmt ist - mit einem Mann, der ihn als Chauffeur beschäftigt und den
er dann einsperrt, um sein Auto zu entwenden. Die Polizei kommt ins Spiel. Irgendwie
kommt am Ende etwas zustande. Vielleicht ein Werbefilm. Vielleicht ein kritischer
Werbefilm. Vielleicht ein Werbefilm, der in Wahrheit eine Werbefilm-Kritik ist.
Hergestellt ist "After Effect" mit ganz wenig Geld, ein Microcinema-Projekt.
Er ist fünfundsiebzig sehr lange Minuten kurz. Zu sehen zunächst in
Berliner Kinos.
Ekkehard Knörer
Dieser Text ist zuerst erschienen
am 02.07.2008 in: www.perlentaucher.de
After
Effect
Deutschland
2007 - Regie: Stephan Geene - Darsteller: Sabine Timoteo, Aljoscha Weskott,
Annika Blendel, Esther Buss, Mario Mentrup, Tamer Yigit, Lennie Burmeister,
Michael Sideris, Lars Eidinger, Bastian Trost, Susanne Sachsse - Länge:
75 min.
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