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Almost
Famous
Almost Famous
ist eine Untersuchung über die vielleicht letzte mythische Erscheinungsform
des Künstlers im Zeitalter ausgereifter Entzauberungstechniken: den Rockmusiker.
Der Film hält dabei genau die Waage zwischen Entzauberung und Mythos, was
er mit der einen Hand ideologiekritisch niederreißt, baut er mit der anderen
Hand sentimental wieder auf. Es ist schwer zu sagen, ob diese Unentschiedenheit
nun eine Stärke oder eine Schwäche des Films ist, zumindest dann,
wenn man die Faszination, die sich den Personen wie immer auch der Musik und
den Umständen, unter denen sie erlebt wird, verdankt, nicht von vorneherein
für einen Zustand der Verblendung hält.
Schon sehr viel eindeutiger eine Schwäche des
Films ist seine arg konventionelle Erzählweise, die Wiederholung diverser
Klischees des Musikfilms, denen kaum überraschende Momente abgewonnen werden.
Was immer überzeugt, sind die Darsteller, weniger die Plot- und Story-Entwürfe,
die sie eher überraschend mit Leben füllen: Frances McDormand als
überbehütende Mutter des kleinen Rockjournalismus-Genies verkörpert
etwa das sehr schlicht zugeschnittene Klischee der allem Hedonismus abgeneigten
Linken. Das Drehbuch und der Film als ganzer sind nicht in der Lage, einen irgendwie
neuen oder interessanten Blick auf die Figur zu werfen, sie lebt ausschließlich
durch McDormand. Philip Seymour Hoffman gibt Lester Bangs Gestalt - und obwohl
man der Manierismen Hoffmans langsam etwas überdrüssig wird, kann
man sich der Faszination seiner Darstellung doch nicht entziehen. Kate Hudsons
Entwurf des Groupies Penny Lane ist bewundernswert, gerade wenn man bedenkt,
dass sie gegen die langweilige und nun wirklich nicht überraschende Moral,
die der Film aus der Figur ziehen will, anzuspielen hat.
Letztlich setzt der Film, anders als Velvet Goldmine etwa,
nicht auf Analyse, sondern immer wieder auf sehr hollywoodtypische sentimentale
Auflösung der Konflikte. Die Moral, die er bereithält, ist handlich
und wird gleich zu Anfang von der Lester-Bangs-Figur gut verdaulich überreicht:
verliere nie aus den Augen, dass das Musik-Business in erster Linie Business
ist. Man ist geradezu erfreut, dass Almost
Famous diese Botschaft durchzuhalten
scheint - bis dann zuletzt das märchenhafte Ende umso nachhaltiger verärgert.
Hier lässt sich sehr exemplarisch beobachten, unter welchen selbst geschaffenen
Voraussetzungen ein Feelgood-Movie das Wohlgefallen des Betrachters nur auf
Kosten einiger Verlogenheit auf sich ziehen kann. Keiner der richtig schlimmen
Fälle, aber unangenehm nichtsdestotrotz.
Ekkehard Knörer
Dieser Text ist zuerst erschienen
in:
Almost
Famous - Fast berühmt
USA
2000 - Regie: Cameron Crowe - Darsteller: Patrick Fugit, Kate Hudson, Billy
Crudup, Frances McDormand, Jason Lee, Anna Paquin, Fairuza Balk, Noah Taylor,
Zooey Deschanel, John Fedevich, Philip Seymour Hoffman - Länge: 127 min.
- Start: 3.5.2001
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